Als Festivalmacherin und Kulturvermittlerin habe ich immer wieder erlebt, wie schwierig es sein kann, ein honorargerechtes Konzept zu entwickeln, das lokale Acts nicht nur sichtbar, sondern auch finanziell fair positioniert. In diesem Text teile ich meine Erfahrungen und konkrete Schritte, mit denen ich in kleinen Festivals faire, transparente und kulturgerechte Honorarmodelle entwerfe.

Warum ein spezielles Honorarkonzept für lokale Acts?

Lokale Künstler*innen bringen Authentizität, Community-Verbindungen und oft einzigartige Klanglandschaften in ein Festival. Dennoch werden sie häufig schlecht bezahlt oder begegnen undurchsichtigen Bedingungen. Ein gezieltes Honorarkonzept schafft Vertrauen, stärkt die lokale Szene und sorgt dafür, dass kulturelle Vielfalt nicht auf Freiwilligenarbeit reduziert wird. Ich sehe es als ethische Verpflichtung: Kulturarbeit darf nicht auf dem Rücken derjenigen ausgetragen werden, die ohnehin wenig Zugang zu Finanzierung haben.

Grundprinzipien meines Ansatzes

  • Transparenz: Alle Beteiligten sollen verstehen, wie sich Honorare zusammensetzen.
  • Fairness: Lokale Acts erhalten einen Mindestbetrag, der ihre Zeit, Vorbereitung und Reisekosten abdeckt.
  • Partizipation: Künstler*innen werden in die Budgetgespräche einbezogen, wo möglich.
  • Kontextsensibilität: Honorare orientieren sich an lokalen Lebenshaltungskosten und kulturellen Gepflogenheiten.
  • Langfristigkeit: Ziel ist nicht nur einmalige Auftritte, sondern nachhaltige Beziehungen und Folgeförderung.

Schritt-für-Schritt: So entwickle ich ein Honorarkonzept

Ich folge einem klaren Ablauf, der sich in der Praxis bewährt hat:

  • Analyse des Gesamtbudgets: Zuerst schaue ich, wie viel Geld insgesamt zur Verfügung steht (Fördermittel, Sponsoren, Ticketverkauf, Spenden).
  • Kategorien festlegen: Ich teile das Budget in Bereiche wie Gagen, Technik, Hospitality, Kommunikation und Reserve auf. Für kleine Festivals empfehle ich mindestens 40–50% des Programmbudgets für Künstler*innen und Produktion einzuplanen.
  • Mindestgage definieren: Ich setze eine verbindliche Mindestgage für lokale Acts, die neben Honorar auch Probezeit, Reinigung, Transport zu/von Venue und Zeit für Schnitt/Feedback abdeckt.
  • Varianten anbieten: Statt eines Pauschalbetrags biete ich flexible Modelle an (z. B. fixe Grundgage + variable Aufwandsentschädigung je nach Fahrtstrecke oder Equipmentbedarf).
  • Transparente Kommunikation: Die gängigen Posten des Honorars (Auftrittszeit, Proben, Anreise, Unterkunft, Backline) werden in einem einfachen Dokument erklärt.
  • Vertrag und Zahlungsmodalitäten: Ich arbeite mit klaren Verträgen (E-Mail-Bestätigungen reichen für sehr informelle Settings selten aus). Vorauszahlung oder Abschlagszahlung sind wichtig – gerade für lokale Künstler*innen mit knappen finanziellen Reserven.

Was ich in Vertragsvereinbarungen nicht vergesse

  • Rider und technische Anforderungen – detailliert, damit keine Überraschungen entstehen und keine versteckten Kosten auf die Künstler*innen zukommen.
  • Zahlungsfristen – z. B. 30 % bei Vertragsunterzeichnung, Restzahlung spätestens 7 Tage nach Auftritt.
  • Stornobedingungen – faire Regelungen bei Absagen durch Veranstalter oder Künstler*innen.
  • Namensnennung und Rechte – wie werden Auftritte dokumentiert und genutzt (Fotos, Social Media, Mitschnitte).
  • Inklusivität- und Sicherheitspassagen – Hinweise, wie das Festival für marginalisierte Künstler*innen zugänglich und sicher gestaltet wird.

Praktische Beispiele für Honorarmodelle

Je nach Größe des Ensembles und Aufwand kann ein Modell so aussehen:

Posten Muster: Solo / Duo Muster: Trio / Band
Grundgage 150–300 € 300–800 €
Anreise / Fahrtkostenerstattung pauschal 30–80 € oder Fahrt nach Beleg pauschal 50–150 € oder Fahrt nach Beleg
Unterkunft (falls nötig) 1 Nacht Standard 1–2 Nächte Standard
Technik- & Backline-Pauschale inklusive Basis ggf. 50–150 € extra
Gesamt (Beispiel) 230–380 € 400–1.100 €

Diese Zahlen sind Orientierungen. In Metropolen oder bei höherem Marktwert müssen sie natürlich angepasst werden. Wichtig ist mir, nicht unter der Schmerzgrenze zu bezahlen, die Künstler*innen in finanzielle Nachteile bringt.

Transparenz gegenüber Publikum und Förder*innen

Ich finde es sinnvoll, ein kurzes Statement zum Honorarkonzept auf der Festival-Website zu platzieren: Welche Prioritäten hat das Festival? Wie viel Prozent des Budgets fließen in Künstler*innengagen? Das stärkt die Glaubwürdigkeit und kann bei Förderanträgen ein Pluspunkt sein. Viele lokale Förderstellen honorieren Festivals, die soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit aktiv fördern.

Zusatzangebote statt Reduzierung des Honorars

Wenn das Budget knapp ist, versuche ich, statt die Gage zu drücken, zusätzliche Werte anzubieten, die Künstler*innen wirklich nutzen: professionelles Promo-Foto, Videodokumentation des Sets, Kontakte zu Radios, Einträge in Presskits oder eine kleine Aufwandsentschädigung für Post-Produktion. Solche Leistungen müssen aber klar als Zusatz zum Honorar kommuniziert werden — sie ersetzen keine Bezahlung.

Wie ich mit Widerständen umgehe

Manchmal sagen Sponsoren oder Partner, wir müssten sparen. Ich antworte dann mit konkreten Alternativen: Reduzierung bei Marketing oder Bühnendekoration statt bei Gagen, Crowdfunding für bestimmte Künstler*innen-Reihen oder Gewinnbeteiligung aus einer speziellen Abendkasse. Ich habe gute Erfahrungen mit transparenten Gesprächen gemacht — wenn die Haltung vermittelt wird, dass faire Bezahlung Teil der Festivalidentität ist, finden sich oft kreative Lösungen.

Nachhaltigkeit und Wiederaufbau lokaler Szenen

Für mich heißt kulturgerechtes Honorieren auch, in langfristige Perspektiven zu denken: Wiederkehrende Gagensteigerungen, Mentoring-Programme, bezahlte Workshops für lokale Nachwuchskünstler*innen oder Kooperationen mit Bildungsinstitutionen. Ein einmaliger Auftritt ist wertvoll, aber dauerhafte Unterstützung baut Resilienz und Sichtbarkeit auf.

Wenn du möchtest, kann ich dir helfen, dein eigenes Honorarkonzept auf deine Festivalgröße zuzuschneiden — mit Budgetvorlage und Vertragsmustern, die ich in der Praxis nutze. Schreib mir gern eine Nachricht über das Kontaktformular auf https://www.crosscultureprogramm.de.