Warum ein transparentes Revenue-Sharing-Modell wichtig ist
Als Kulturvermittlerin begegne ich oft Musiker*innen und Communities, die traditionelle Repertoires pflegen — sei es folkige Gesänge, indigene Songs oder familiär überlieferte Melodien. Wenn diese Werke auf Streaming-Plattformen wie Spotify oder Verkaufsplattformen wie Bandcamp landen, stehen oft Fragen offen: Wer bekommt wie viel? Wer entscheidet über Bearbeitungen und Samples? Wie schützt man kulturelles Eigentum vor Ausbeutung?
Ein transparentes Revenue-Sharing-Modell schafft Vertrauen, schützt fragile kulturelle Praktiken und stellt sicher, dass Einnahmen gerecht verteilt werden. In diesem Artikel skizziere ich praxisnahe Schritte, Prinzipien und konkrete Mechanismen, die ich in Projekten empfehle.
Grundprinzipien eines fairen Modells
Bevor es an Prozentzahlen geht, halte ich vier Prinzipien für zentral:
Praktische Schritte zur Entwicklung des Modells
Ich empfehle eine Schrittfolge, die sowohl rechtliche als auch soziale Aspekte berücksichtigt:
Konkrete Modelle und Aufteilungen
Es gibt nicht das eine Muster. Ich nenne hier mehrere Modelle, die sich in der Praxis bewährt haben:
Wichtig ist, die Verteilung in Prozenten zu dokumentieren und öffentlich zugänglich zu machen — auf einer Projektseite oder in der Bandcamp-Beschreibung.
Ein Beispiel in Tabellenform
| Position | Aufgaben | Prozentanteil (Beispiel) |
|---|---|---|
| Traditionshalter*innen | Bereitstellung des Repertoires, kulturelle Autorität | 30% |
| Performende Musiker*innen | Interpretation, Aufnahme | 35% |
| Produzent*in / Techniker*in | Aufnahme, Mixing, Mastering | 15% |
| Label / Vertrieb | Distribution, Promotion | 10% |
| Community-Fonds / Bildung | Projektförderung, Weitergabe an Community | 10% |
Technische Tools und Plattformen
Für die praktische Umsetzung nutze ich verschiedene Tools:
Metadaten, Rechteklärung und kulturelle Sorgfalt
Oft unterschätzt: saubere Metadaten sind essenziell, damit Erlöse korrekt zugeordnet werden. Ich bestehe auf:
Gleichzeitig muss kulturelle Sorgfalt walten: Manche Traditionen dürfen gar nicht kommerzialisiert werden. Ein fundiertes Einverständnis (Free, Prior and Informed Consent) ist unerlässlich — schriftlich und in der Sprache der Beteiligten.
Reporting und Transparenz gegenüber der Community
Transparenz bedeutet nicht nur Offenlegung der Prozentsätze, sondern auch regelmäßiges Reporting:
Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, Reporting-Meetings als hybride Veranstaltungen durchzuführen — vor Ort und per Video zugeschaltet — damit alle Beteiligten Nachfragen stellen können.
Konfliktlösung und Governance
Unvermeidlich sind manchmal Meinungsverschiedenheiten. Ich empfehle:
Solche Mechanismen helfen, Vertrauen zu erhalten und langfristige Zusammenarbeit zu sichern.
Praxisbeispiel aus meiner Arbeit
In einem meiner Projekte habe ich mit einer ländlichen Community in Westafrika gearbeitet. Wir einigten uns auf ein Modell, bei dem 40% direkt an die Traditionsträger*innen flossen, 20% in einen Fonds für Bildungsangebote, 25% an die Performer*innen und 15% für technische und administrative Kosten. Die Metadaten füllten wir gemeinsam aus, und die Vereinbarung lag in zwei Sprachen vor. Bandcamp nutzten wir für initiale Verkäufe und DistroKid für Streaming-Distribution. Die Kombination aus klarer Dokumentation und regelmäßigen Community-Meetings erwies sich als tragfähig.
Wenn du möchtest, kann ich dir beim Entwurf eines konkreten Sharing-Agreements helfen — inklusive Formulierungen für Einverständniserklärungen und einer Vorlage für die Metadatenliste, die du direkt auf Bandcamp oder bei deinem Distributor nutzen kannst.