Auf Reportage-Reisen in ländliche Gegenden habe ich gelernt: gutes Field-Recording braucht nicht das teuerste Equipment, sondern ein robustes, durchdachtes, leichtes Set, das unter realen Bedingungen funktioniert. In diesem Beitrag erzähle ich, wie ich mein mobiles Field-Recording-Kit zusammenstelle, welche Techniken mir unterwegs am meisten helfen und welche praktischen Tricks ich bei Wind, Strommangel oder spontanen Interviews anwende.

Meine Prinzipien für ein mobiles Kit

Bevor ich in die Detailliste gehe, sind mir drei Prinzipien wichtig:

  • Robustheit — nichts, das bei Regen oder Sturz sofort versagt.
  • Modularität — ich kann das Kit je nach Reiseumfang erweitern oder minimieren.
  • Simpelheit — komplexe Setups verlangsamen mich, ich bevorzuge zuverlässige Standard-Workflows.
  • Die Kernkomponenten meines Kits

    Ich packe immer nur das Nötigste ein – das sind bei mir drei Kategorien: Aufnahmegerät, Mikrofone und Schutz/Strom/Organisation.

    Aufnahmegerät

    Für die meisten Reportagen reicht ein kompakter Field-Recorder mit guten XLR-Eingängen.

    ModellWarum ich es magFür wen
    Zoom H5Sehr robust, wechselbare Kapseln, gute PreampsReisende mit vielseitigen Einsätzen
    Zoom H6Mehr Eingänge, flexibel für Mehrspur-InterviewsWenn du mehrere Quellen gleichzeitig aufnehmen willst
    Tascam DR-40XPreiswert, solide KlangqualitätBudgetbewusste Feldaufnahmen

    Ich bevorzuge Zoom H5/H6, weil ich unterwegs oft zwischen Stereo-Atmos und mehreren Lavs hin- und herschalte. Wichtig ist: austauschbare Batterien oder USB-Power – das spart Nerven in Gegenden ohne zuverlässige Stromversorgung.

    Mikrofone

    Bei Mikrofonen folge ich dem Motto "one mic for voices, one for atmos".

  • Richtrohr (Shotgun) – z. B. RØDE NTG4+ oder Sennheiser MKE 600. Ideal für Interviews aus Distanz oder um spezifische Klänge im Feld zu isolieren.
  • Stereokapsel / Stereo-Kondensator – z. B. Zoom XY oder RØDE Stereo VideoMic Pro. Perfekt für Raumklang, Märkte, Dörfer und Umgebungsatmos.
  • Lavalier (Ansteck) – für mobile Interviews mit begrenzter Bewegungsfreiheit. Modelle wie RØDE Lavalier GO oder Sennheiser ME 2 funktionieren gut und sind unauffällig.
  • Handmikrofon / dynamisch – z. B. Shure SM58. Robust, unempfindlich gegenüber Wind und Handhabungsgeräuschen; eignet sich für Telefoninterviews oder Begegnungen auf Märkten.
  • Ich nehme selten teure Kondensatorkapseln mit, weil sie empfindlicher sind. Für atmosphärische, detailreiche Aufnahmen habe ich manchmal ein Paar kleine Kondensatormikros (z. B. Oktava oder günstige Neumann-Kopien) dabei, aber nur, wenn ich weiß, dass die Reise ruhig genug ist.

    Schutz, Strom und Zubehör

    Diese Dinge retten mich öfter als ein High-End-Mikrofon:

  • Windschutz – Deadcat oder Foam; bei offenem Gelände essentiell.
  • Schutzkoffer oder robuste Dry Bags – verhindert Wasser- und Staubschäden.
  • Powerbank mit 20.000 mAh oder mehr – als Backup für Recorder und Smartphone.
  • Ersatzbatterien (AA) und mehrere, schnelle SD-Karten (mind. 64 GB, Class 10/U3).
  • Gute Kopfhörer – Sony MDR-7506 oder Beyerdynamic DT770; für das Monitoring vor Ort unverzichtbar.
  • Kabel, Adapter, Klettband, Multitool – kleine Probleme entstehen groß, wenn man kein Adapterkabel hat.
  • Kleines Stativ oder Handgriff – für Interviews und um Griffgeräusche zu reduzieren.
  • Notizbuch & Stift – wer, wo, wann; Metadaten sind später Gold wert.
  • Packen und Gewicht

    Ich reduziere auf ein Handgepäck-freundliches Maß: Recorder + 1 Shotgun + 1 Lavalier + Windschutz + Powerbank + 2 SD-Karten + Kabel. Wenn ich mehr Zeit habe oder im Projekt vorab geplant ist, nehme ich zusätzliche Stereo-Mics und ein kleines Mischpult mit. Wichtig: alles in wasserfesten Beuteln platzieren und sensible Elektronik in der Mitte des Rucksacks.

    Einfach anzuwendende Aufnahme-Techniken

    Technik ist nur so gut wie ihre Anwendung. Hier meine Standardabläufe:

  • PEAKS vermeiden – bei jedem Setup zuerst mit einem Probeton (ich summ’ kurz oder klappe Hände) einpegeln und -12 dB als Maximum anpeilen, damit Transienten nicht clippen.
  • Room Tone aufnehmen – 30–60 Sekunden Stille (Umgebungsgeräusch) aufnehmen. Das hilft später enorm beim Schnitt und beim Rauschreduzieren.
  • Mehrere Spuren – wenn möglich, nehme ich Voice und Zimmerklang simultan mit zwei Spuren auf (z. B. Lavalier + Stereo-Kapsel). Das gibt Flexibilität beim Editieren.
  • Mic-Placement – bei Interviews das Shotgun-Winkel leicht nach unten halten, 30–60 cm Abstand. Bei sehr lauten Umgebungen näher ran, bei empfindlichen Stimmen weiter weg. Lavalier knapp unter dem Hemdkragen, aber nicht an Stoff reiben lassen.
  • Windmanagement – immer Deadcat bei mehr als leichter Brise verwenden. Bei sehr starkem Wind versuche ich, natürliche Windbarrieren (Mauern, Bäume) zu nutzen und das Mic in meine Jacke zu packen.
  • Praktische Tricks unterwegs

  • Schnelles Backup – nach jeder wichtigen Aufnahme sichere ich die Datei auf ein zweites Medium (Laptop oder SSD) — oft schon abends im Guesthouse.
  • Lokale Erlaubnisse – ich frage immer, bevor ich aufnehme. Ein Lächeln und ein kurzer Satz in der lokalen Sprache öffnen Türen. Manchmal nehme ich eine kurze schriftliche Einwilligung mit, wenn es formell werden muss.
  • Akustische Aufmerksamkeit – Märkte, Kirchen, Feste haben oft vorhersehbare Klang-Zyklen. Ich beobachte zuerst und starte dann die Aufnahme, wenn die gewünschte Klangfarbe kommt.
  • Strom sparen – Recorder aus, wenn er nicht gebraucht wird; bei kalten Bedingungen Akkus innen nahe am Körper wärmen.
  • Workflow nach der Aufnahme

    Ich beschrifte SD-Karten sofort mit Datum/Ort, notiere Metadaten im Notizbuch oder in einer einfachen Textdatei auf meinem Laptop und mache zwei Backups: eine auf einer externen SSD und eine in der Cloud (sofern Verbindung besteht). Beim Schnitt arbeite ich zuerst mit den Stereo-Atmos-Spuren, ergänze mit Interviewspuren und nutze Room Tone, um Schnitte zu glätten.

    Was ich oft unterwegs noch lerne

    Flexibilität ist der größte Lehrer. Einmal musste ich ein ganzes Dorfleben mit nur einem Lavalier und einem Handy aufnehmen — kreativ platzieren, auf Umgebungsgeräusche achten und mit der Community sprechen. Diese spontanen Herausforderungen geben oft die authentischsten Klanglandschaften.

    Wenn du möchtest, kann ich dir eine Packliste als druckbares PDF zusammenstellen oder mein Standard-Equipment in einer Kurzversion zum Ausdrucken schicken. Frag einfach nach dem Format, das du brauchst.