Auf Reportage-Reisen in ländliche Gegenden habe ich gelernt: gutes Field-Recording braucht nicht das teuerste Equipment, sondern ein robustes, durchdachtes, leichtes Set, das unter realen Bedingungen funktioniert. In diesem Beitrag erzähle ich, wie ich mein mobiles Field-Recording-Kit zusammenstelle, welche Techniken mir unterwegs am meisten helfen und welche praktischen Tricks ich bei Wind, Strommangel oder spontanen Interviews anwende.
Meine Prinzipien für ein mobiles Kit
Bevor ich in die Detailliste gehe, sind mir drei Prinzipien wichtig:
Die Kernkomponenten meines Kits
Ich packe immer nur das Nötigste ein – das sind bei mir drei Kategorien: Aufnahmegerät, Mikrofone und Schutz/Strom/Organisation.
Aufnahmegerät
Für die meisten Reportagen reicht ein kompakter Field-Recorder mit guten XLR-Eingängen.
| Modell | Warum ich es mag | Für wen |
|---|---|---|
| Zoom H5 | Sehr robust, wechselbare Kapseln, gute Preamps | Reisende mit vielseitigen Einsätzen |
| Zoom H6 | Mehr Eingänge, flexibel für Mehrspur-Interviews | Wenn du mehrere Quellen gleichzeitig aufnehmen willst |
| Tascam DR-40X | Preiswert, solide Klangqualität | Budgetbewusste Feldaufnahmen |
Ich bevorzuge Zoom H5/H6, weil ich unterwegs oft zwischen Stereo-Atmos und mehreren Lavs hin- und herschalte. Wichtig ist: austauschbare Batterien oder USB-Power – das spart Nerven in Gegenden ohne zuverlässige Stromversorgung.
Mikrofone
Bei Mikrofonen folge ich dem Motto "one mic for voices, one for atmos".
Ich nehme selten teure Kondensatorkapseln mit, weil sie empfindlicher sind. Für atmosphärische, detailreiche Aufnahmen habe ich manchmal ein Paar kleine Kondensatormikros (z. B. Oktava oder günstige Neumann-Kopien) dabei, aber nur, wenn ich weiß, dass die Reise ruhig genug ist.
Schutz, Strom und Zubehör
Diese Dinge retten mich öfter als ein High-End-Mikrofon:
Packen und Gewicht
Ich reduziere auf ein Handgepäck-freundliches Maß: Recorder + 1 Shotgun + 1 Lavalier + Windschutz + Powerbank + 2 SD-Karten + Kabel. Wenn ich mehr Zeit habe oder im Projekt vorab geplant ist, nehme ich zusätzliche Stereo-Mics und ein kleines Mischpult mit. Wichtig: alles in wasserfesten Beuteln platzieren und sensible Elektronik in der Mitte des Rucksacks.
Einfach anzuwendende Aufnahme-Techniken
Technik ist nur so gut wie ihre Anwendung. Hier meine Standardabläufe:
Praktische Tricks unterwegs
Workflow nach der Aufnahme
Ich beschrifte SD-Karten sofort mit Datum/Ort, notiere Metadaten im Notizbuch oder in einer einfachen Textdatei auf meinem Laptop und mache zwei Backups: eine auf einer externen SSD und eine in der Cloud (sofern Verbindung besteht). Beim Schnitt arbeite ich zuerst mit den Stereo-Atmos-Spuren, ergänze mit Interviewspuren und nutze Room Tone, um Schnitte zu glätten.
Was ich oft unterwegs noch lerne
Flexibilität ist der größte Lehrer. Einmal musste ich ein ganzes Dorfleben mit nur einem Lavalier und einem Handy aufnehmen — kreativ platzieren, auf Umgebungsgeräusche achten und mit der Community sprechen. Diese spontanen Herausforderungen geben oft die authentischsten Klanglandschaften.
Wenn du möchtest, kann ich dir eine Packliste als druckbares PDF zusammenstellen oder mein Standard-Equipment in einer Kurzversion zum Ausdrucken schicken. Frag einfach nach dem Format, das du brauchst.