Wenn ich Festivals oder kleinere Veranstaltungen plane, stellt sich früh die Frage: Wie können wir lokale Musiker*innen fair bezahlen und gleichzeitig ein finanziell tragfähiges Festival erhalten? In meiner Arbeit mit Crosscultureprogramm habe ich immer wieder erlebt, dass faire Honorare nicht nur ethisch richtig sind, sondern die Qualität und Nachhaltigkeit eines Festivals erheblich erhöhen. Hier teile ich meine praktische Herangehensweise, konkrete Budget-Tools und Erfahrungen, damit auch du eine gemeinschaftsgetriebene Honorarrichtlinie glaubwürdig in dein Festivalbudget integrieren kannst.
Warum eine gemeinschaftsgetriebene Honorarrichtlinie?
Für mich ist das Prinzip klar: Kulturarbeit lebt von Menschen, nicht von Almosen. Eine Honorarrichtlinie, die lokal verankert und gemeinschaftlich ausgehandelt ist, schafft Transparenz, stärkt Vertrauen und verhindert Ausbeutung. Sie signalisiert: Wir sehen die Künstler*innen als gleichwertige Partner*innen, nicht als Marketingbudget-Position. Außerdem fördert sie lokale Ökonomien und ermöglicht langfristige Beziehungen.
Schritte zur Integration in dein Budget
Ich folge einer simplen, aber wirkungsvollen Abfolge:
1) Bestandsaufnahme: Zahlen und Realität
Bevor ich Zahlen in Stein meißle, sammle ich Daten: Was verdienen lokale Bands normalerweise? Wie viele Auftritte haben sie? Welche Zusatzkosten (Transport, Technik, Unterkunft) entstehen? Oft hilft ein kurzes Umfrageformular oder ein offenes Treffen, um ein realistisches Bild zu bekommen. Diese Daten sind die Basis für eine faire Honorarbemessung und verhindern unrealistische Erwartungen.
2) Partizipative Richtlinienentwicklung
Eine Honorarrichtlinie funktioniert nur, wenn diejenigen, die sie betrifft, mitreden konnten. Ich organisiere deshalb Workshops oder moderierte Gespräche mit Musiker*innen, lokalen Veranstalter*innen und Vertreter*innen aus der Community. Themen, die dort zur Sprache kommen, sind:
Solche Dialoge sorgen dafür, dass die Richtlinie nicht von oben herab verordnet ist, sondern von der Gemeinschaft mitgestaltet wurde.
3) Budgetanpassung: Geldquellen finden und umbauen
Meist ist kein zusätzliches Geld vorhanden — deshalb geht es um Prioritätensetzung. Hier einige Hebel, die ich häufig nutze:
Beispiel: Einfaches Budget-Tableau
| Posten | Vorher | Nach Umschichtung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Gesamtbudget | €50.000 | €50.000 | - |
| Marketing | €8.000 | €5.000 | -€3.000 zugunsten Künstler*innenhonorare |
| Deko & Produktion | €7.000 | €5.000 | -€2.000 |
| Künstler*innenhonorare (lokal) | €6.000 | €12.000 | +€6.000 durch Umschichtung & Sponsorenanteil |
| Technik & Backline | €10.000 | €10.000 | - |
| Sonstiges (Logistik, Admin) | €19.000 | €18.000 | kleine Einsparungen |
4) Konkrete Honorarmodelle
Je nach Kontext bevorzuge ich flexible Modelle:
5) Transparenz und Kommunikation
Wichtig ist, die Honorarrichtlinie öffentlich und verständlich zu machen. Ich veröffentliche die Kernpunkte auf der Festival-Website und im Presskit, z. B.:
Transparenz hilft, Missverständnisse zu vermeiden und generiert Vertrauen bei Künstler*innen und Publikum.
6) Monitoring und Anpassung
Nach dem Festival sammle ich Feedback — anonymisierte Umfragen an Künstler*innen, Gespräche mit dem Team und finanzielle Auswertung. Welche Posten haben am meisten geschmerzt? Wo könnten wir effizienter arbeiten? Diese Erkenntnisse fließen in die nächste Version der Richtlinie. Für mich ist das ein iterativer Prozess: kein Endzustand, sondern fortlaufende Verbesserung.
Praktische Tools und Ressourcen
In der Praxis nutze ich einfache Tools: Google Sheets für das Budget, Typeform für Umfragen, und Trello für Workflow-Management. Für transparente Zahlungsabwicklung hat sich die Kombination aus PayPal (für kleinere Beträge und schnelle Vorauszahlungen) und Banküberweisung (für die Endabrechnung) bewährt. Manche Festivals nutzen auch Plattformen wie Backstage oder lokale Kulturfonds-Portale zur Abwicklung von Fördermitteln.
Wenn du möchtest, kann ich dir eine Budget-Vorlage im Google-Sheets-Format anpassen oder ein kurzes Workshop-Format skizzieren, mit dem du Musiker*innen in die Richtlinienentwicklung einbeziehst. Gemeinsam lässt sich ein Modell entwickeln, das die lokale Szene stärkt und dein Festival langfristig glaubwürdiger macht.