Wenn ich Interviews mit Künstler*innen, Aktivist*innen oder lokalen Kulturvermittler*innen führe, ist oft eine Person dabei, die zwischen den Sprachen und kulturellen Logiken vermittelt: eine Übersetzerin, ein Übersetzer oder ein*e Kulturvermittler*in. Diese Zusammenarbeit ist für mich kein logistischer Necessaire, sondern ein kreativer Prozess. In diesem Text teile ich meine Erfahrungen, Routinen und Fehler, damit unsere Gespräche respektvoll, präzise und lebendig bleiben.
Warum Übersetzer*innen und Kulturvermittler*innen mehr sind als „nur Stimmen“
Viele glauben, Übersetzer*innen würden nur Worte übertragen. In der Praxis sind sie aber häufig auch kulturelle Dolmetscher*innen: Sie erklären Anspielungen, kontextualisieren Begriffe und helfen, nonverbale Signale zu lesen. Ich habe gelernt, ihnen Raum zu geben, weil daraus oft tiefere, ehrlichere Antworten entstehen. Ein gutes Beispiel: Bei einem Interview mit einer Musikerin aus Mali ergab die Übersetzerin Hinweise auf lokale Formen der Höflichkeit, die meine Frageformulierung sofort besser machte.
Vorbereitung: Zeit investieren zahlt sich aus
Vor jedem Gespräch bereite ich nicht nur Fragen vor, sondern teile sie vorab mit der Übersetzerin / dem Übersetzer. Das hat mehrere Vorteile:
Ich schicke ein kurzes Briefing: Kontext des Interviews, Zielpublikum, geschätzte Länge und Ton (formell, kollegial, investigativ). Oft nutze ich Google Docs, damit alle Beteiligten live Kommentare hinterlassen können. Wenn möglich, nenne ich auch technische Details (Zoom-Link, Aufnahmegerät, Pausenlänge).
Technik und Aufnahme: klare Regeln schaffen
Technik kann eine Hürde sein. Meine Standardregeln:
Wenn ich auf Veranstaltungen unterwegs bin, erkläre ich kurz, wie ich das Audio nutze: für Transkription, Zitatprüfung und Archivierung. Transparenz schafft Vertrauen.
Fragetechnik: kürzere Sätze, mehr Kontext
Eine häufige Frage, die ich höre: „Wie formuliere ich Fragen, damit die Übersetzung stimmt?“ Meine Faustregel: kurze, konkrete Sätze plus ein kurzer Kontext. Statt eines langen Komplexsatzes teile ich mehrere kurze Fragen und erkläre kurz, warum ich das wissen möchte. Beispiel:
Gute Übersetzer*innen danken es Ihnen; sie können prägnante, idiomatisch passende Gegenfragen entwickeln, wenn notwendig.
Direkte vs. indirekte Übersetzung: Inventar an Möglichkeiten
Es gibt verschiedene Übersetzungsweisen, die alle ihre Berechtigung haben:
Ich frage die Übersetzer*innen meistens: „Wie würdest du das im Deutschen erzählen, damit es natürlich klingt?“ Diese Einladung zur Co-Autorenschaft verbessert Qualität und Authentizität.
Live-Übersetzung vs. nachträgliche Transkription
Live-Übersetzung kann dynamisch sein, aber sie birgt das Risiko, Nuancen zu verlieren. Bei sensiblen Themen bevorzuge ich eine zweistufige Methode:
Transkriptions-Tools wie Otter.ai oder Amberscript helfen, doch ich lasse jede automatische Transkription immer von Menschen prüfen. Automatische Systeme stolpern schnell über Namen, regionale Ausdrücke oder Mehrsprachigkeit.
Respektvolle Arbeitsbedingungen und Honorare
Dieses Thema ist mir wichtig: Übersetzer*innen und Kulturvermittler*innen verdienen angemessene Bezahlung und Respekt. Ich nenne klare Konditionen vorab: Stundensatz, Pauschalen für Vor- und Nachbereitung, Reisekosten. Manchmal arbeite ich mit lokalen Organisationen zusammen, die faire Honorare definieren. Wenn möglich, zahle ich etwas mehr als den Mindesttarif—es ist eine Investition in Qualität und langfristige Beziehungen.
Ethik: Autorenschaft, Zustimmung und Transparenz
Ich frage vor der Veröffentlichung immer nach Zustimmung, welche Teile des Gesprächs zitiert werden dürfen und ob Zitate wörtlich bleiben sollen. Bei sensiblen Aussagen bespreche ich Alternativen (Paraphrasierung, Anonymisierung). Außerdem biete ich an, den Entwurf des Beitrags zu teilen – nicht, um zu zensieren, sondern um Fehler und Missverständnisse zu vermeiden.
Praktische Tools, die mir geholfen haben
Einige Tools und Routinen, die ich regelmäßig nutze:
Fehler, aus denen ich gelernt habe
Einige Fehler haben meinen Umgang mit Übersetzer*innen geprägt:
Fehler passieren. Wichtig ist, sie anzuerkennen und die Arbeitsbeziehung zu pflegen.
Wenn Sie öfter mit Übersetzer*innen arbeiten wollen: bauen Sie Beziehungen auf, investieren Sie in faire Bedingungen und sehen Sie sie als Partner*innen im Erzählen. Gute Übersetzung öffnet nicht nur sprachliche Türen, sie erweitert auch unsere Perspektive auf Kultur und Klang.