Bei der Arbeit mit Schulklassen frage ich mich zuerst: Was möchte ich mit dem Projekt erreichen — Rhythmusgefühl stärken, musikalische Verständigung ermöglichen, kulturelles Wissen vermitteln oder einfach Freude am gemeinsamen Musizieren wecken? Diese Zielsetzung bestimmt die Wahl der Instrumente und die Didaktik. In diesem Artikel teile ich aus meiner Praxis heraus, welche Instrumente sich besonders gut für crosskulturelle Schulprojekte eignen und wie ich sie unterrichte, sodass Schüler*innen unterschiedlicher Hintergründe teilnehmen, lernen und sich einbringen können.
Welche Instrumente eignen sich besonders gut?
Für mich sind drei Kriterien entscheidend: Zugänglichkeit (schnelle Erfolgserlebnisse), kulturelle Breite (Instrumente, die Brücken zu verschiedenen Musikkulturen schlagen) und Robustheit (Schulalltag, Transport, Lagerung). Nach diesen Kriterien empfehle ich besonders:
- Perkussionsinstrumente: Djembé, Cajón, Conga, Rahmentrommel, Bodypercussion, Shaker. Perkussion ist sofort zugänglich — einfache Patterns erlauben schnelle Gruppenerfolge.
- Melodische Einsteigerinstrumente: Ukulele (z. B. Marken wie Kala oder Donner), Kalimba (Daumenklavier), Blockflöte, Mundharmonika. Sie sind vergleichsweise leicht zu erlernen und ermöglichen Melodien ohne umfangreiche Vorkenntnisse.
- Streich- und Zupfinstrumente in vereinfachter Form: Gitarre (offene Akkorde), einfache Kora- oder Sitar-Einführungen mit vereinfachten Patterns oder adaptierter Spieltechnik.
- Elektronische und digitale Tools: einfache MIDI-Controller, Apps wie GarageBand, Drum Pads oder Looper, die kreative Arrangements und Sampling ermöglichen.
- Selbstgebaute Instrumente: Dosen-Rasseln, Boomwhackers, Stimmenröhren. Basteln verbindet kulturelle Themen mit praktischer aktivität.
Warum Perkussion oft der beste Einstieg ist
Ich beginne viele Projekte mit Rhythmus, weil rhythmische Kommunikation universell ist. Ein Basis-Pattern können selbst jüngere Kinder sehr schnell übernehmen. Aus didaktischer Sicht nutze ich einfache Prinzipien:
- Call-and-response — eine Person spielt ein kurzes Motiv, die Gruppe antwortet.
- Ostinato-Schichten — eine Gruppe hält ein wiederkehrendes Pattern, während andere Variationen spielen.
- Polyrhythmische Einfachheiten — statt komplexer 5/4- oder 7/8-Metriken arbeite ich mit überlagernden 3er- und 4er-Gruppen, um Hörschärfe zu fördern.
Praktisch heißt das: Ich bringe mehrere Djembés oder Cajóns mit (Meinl bietet schulgeeignete Modelle), erkläre einfache Schlagtechniken (Bass, Tone, Slap) und baue schnell eine Groove-Basis auf. Schon nach 20 Minuten entsteht meist ein zusammenhängender Klang.
Wie ich melodische Instrumente einführe
Bei Melodieinstrumenten ist mir wichtig, dass Lernende nicht überfordert werden. Die Ukulele ist mein Favorit im Klassenzimmer: günstige Modelle (z. B. Kala) sind robust, einfache Akkorde wie C, F, G reichen für viele Lieder. Ich arbeite so:
- Kurze Demonstration: Ich zeige 2–3 Griffbilder und spiele ein bekanntes Lied.
- Chunking: Wir lernen erst Rhythmus mit der rechten Hand, dann den Wechsel der Akkorde langsam.
- Peer-Learning: Fortgeschrittene unterstützen Anfänger, oft in Tandems.
Für kalimba oder Mundharmonika nutze ich angepasste Noten und Hörbeispiele. Beide Instrumente ermöglichen individuelle Soli in einem Ensemble ohne lange Vorkurse.
Interkultureller Kontext — Respektvoller Umgang mit kulturellem Erbe
Ein crosskulturelles Projekt ist mehr als nur Instrumente spielen. Ich achte darauf, kulturelle Herkunft, Bedeutung und Kontext zu vermitteln. Praktische Schritte:
- Kurze Einführung in Herkunft und Gebrauch des Instruments — nicht als exotische Kuriosität, sondern als lebendige Praxis.
- Wenn möglich, lade ich Gastmusiker*innen aus der entsprechenden Community ein — das schafft Authentizität und gibt Raum für Fragen.
- Erklären von angemessenen Umgangsformen (z. B. wie ein Instrument gehalten wird, ob bestimmte Rhythmen mit Ritual verbunden sind).
Bei Djembé erkläre ich zum Beispiel den Westafrikanischen Kontext und erwähne, dass Rhythmen oft Namen und Funktionen haben. Wichtig ist: Ich gebe Räume für Diskussion und betone, dass Musizieren auch Aneignung sein kann — deshalb arbeite ich kollaborativ und mit Quellenangaben, notfalls mit Literatur oder Video-Interviews.
Methoden und Unterrichtsstruktur
Ich strukturiere meine Unterrichtseinheiten meist so:
- Warming-up (10–15 min): Körper und Stimme aktivieren — Bodypercussion, Call-and-response.
- Technik-Fokus (15–20 min): Schlagtechniken, Akkordwechsel, Atemtechnik bei Blasinstrumenten.
- Ensemble-Arbeit (20–30 min): Zusammenführen von Patterns, Rollen verteilen (Solist*innen, Groove-Gruppe, Harmoniefülle).
- Reflexion und kultureller Input (10–15 min): Kurze Gesprächsrunden, Hörbeispiele, eventuell Videos oder Gastinputs.
Ich finde es hilfreich, in Projekten von Anfang an auf gemeinsames Ziel hinzuarbeiten — ein kleines Konzert, eine Aufnahme oder ein Video. Das motiviert und gibt Struktur.
Notation, Sprache und Inklusion
Nicht jede*r liest Noten — das ist kein Problem. Ich arbeite mit visuellen Notationen (Grafiken, Farben), mit Silben (Ta, Ki, Boom) oder mit einfachen Choreographien für rhythmische Einsätze. Für heterogene Gruppen nutze ich differenzierte Aufgaben:
- Einfach: Halte ein gleichbleibendes Ostinato.
- Mittel: Spiele Variationen oder wechsle zwischen zwei Patterns.
- Fortgeschritten: Nimm Soli oder leite die Gruppe.
So kann jede*r gemäß ihrem/seinem Können mitwirken. Ich achte außerdem auf Barrierefreiheit: Sitzmöglichkeiten, leichte Instrumentenvarianten für motorisch eingeschränkte Schüler*innen, klare Hörbeispiele und visuelle Anleitungen.
Materialliste und Ressourcen
Hier eine einfache Tabelle mit Instrumenten, geschätzten Kosten und Einsatzhinweisen — als Orientierung beim Einkauf oder bei Förderanträgen:
| Instrument | Kosten (ca.) | Einsatz |
|---|---|---|
| Ukulele (Kala) | 40–120 € | Melodien, Begleitung, leicht für Einsteiger |
| Djembé (Schule/Meinl) | 60–200 € | Gruppenrhythmus, Schlagtechniken, polyrhythmische Übungen |
| Cajón | 70–180 € | Groove-Grundlage, Sitzperkussion |
| Kalimba | 20–50 € | Melodische Soli, einfache Notation |
| Bauinstrumente (Shaker, Rasseln) | 5–20 € | Schnelle Einsteiger*innen-Instrumente, Bastelprojekte |
Praktische Tipps für den Schulalltag
Aus meiner Erfahrung helfen diese kleinen Maßnahmen, damit das Projekt reibungslos läuft:
- Instrumente beschriften und in Sets lagern — das reduziert Chaos.
- Klare Regeln für Leihen: Verantwortliche benennen, Rückgabevermerke.
- Aufnahmegeräte nutzen (Smartphone, Zoom-Recorder) — Dokumentation ist wichtig für Reflexion und Präsentation.
- Wenn möglich: Kooperation mit Musikschulen, NGO oder lokalen Künstler*innen — oft gibt es Fördermöglichkeiten und Expertise.
Ich ermutige Lehrer*innen außerdem, sich selbst mit einem Instrument vertraut zu machen — schon kleine Kenntnisse verändern die Dynamik im Raum und erhöhen die pädagogische Sicherheit.
Bewertung und Lernerfolg
In crosskulturellen Musikprojekten messe ich Erfolg nicht nur an technischem Können. Wichtige Kriterien sind:
- Partizipation und Engagement
- Fähigkeit zuzuhören und sich in ein Ensemble einzufügen
- Wissen über kulturelle Hintergründe
- Kreativität bei Arrangements und eigenen Beiträgen
Methoden der Bewertung: Peer-Feedback, kurze Videodokumentationen, Reflexionsbögen (Was habe ich gelernt? Was hat mich überrascht?), und bei größeren Projekten eine Abschlussaufführung.
Wenn du magst, kann ich dir auf Anfrage ein konkretes Stundenplan-Beispiel für eine sechswöchige Einheit schicken oder eine Materialliste für 20 Schüler*innen zusammenstellen. In meinen Projekten erlebe ich immer wieder, wie Musik Räume öffnet — und oft ist es gerade das einfache gemeinsame Musizieren auf Ukulele oder Djembe, das überraschende Begegnungen schafft.