Warum Lateinamerika?
Lateinamerika ist ein Kontinent voller Klangfarben, künstlerischer Innovationskraft und lebendiger Communitys. Für mich sind die besten Kooperationen jene, die auf gemeinsamen Interessen und gegenseitigem Respekt beruhen — nicht auf kurzfristigen Austauschformaten. Beim Aufbau von Kooperationen geht es darum, Vertrauen zu gewinnen, lokale Kontexte zu verstehen und langfristige Beziehungen zu pflegen.
Wo beginne ich mit der Suche?
Ich starte meist auf mehreren Ebenen gleichzeitig: online-Recherche, institutionelle Kontakte und direkte Ansprache von Künstler*innen vor Ort. Hier sind die wichtigsten Quellen, die sich bei mir bewährt haben:
- Goethe-Institut und Instituto Cervantes: Kulturinstitutionen haben oft ein Netzwerk vor Ort, Residencies und Projektförderungen.
- Universitäten und Musikschulen: Conservatorios, Fakultäten für Musik, Kunst- und Kulturwissenschaften haben häufig junge, experimentelle Projekte und Kooperationsbereitschaft.
- Festivals und Kulturzentren: Sie bringen Communitys zusammen — recherchieren, wer kuratiert, wer programmiert.
- Online-Plattformen: TransArtists, Res Artis, Ibermúsicas, Bandcamp, SoundCloud, sowie Social-Media-Gruppen auf Facebook und Instagram.
- Netzwerke und Fördertöpfe: Ibermúsicas, Prince Claus Fund, OAS Cultural Programs, DAAD-Kooperationen, MitOst.
- Lokale Kulturinitiativen: Kulturhäuser, Kollektive, Radiosender (z. B. Community-Radios), unabhängige Labels.
Wie finde ich passende Partner*innen?
Ich frage mich bei jedem Projekt: Welche künstlerischen Werte teilen wir? Welche Arbeitsweisen passen zueinander? Ein paar konkrete Schritte, die ich empfehle:
- Definiere das Projekt präzise: Ziele, Zeitrahmen, benötigte Kompetenzen (z. B. Produktion, Sound-Design, Vermittlung).
- Suche nach Referenzen: Hörproben, Projektarchive, Festivalprogramme. Das hilft, stilistische und organisatorische Kompatibilität einzuschätzen.
- Nutze persönliche Empfehlungen: Empfehlungen von Kolleg*innen vor Ort sind Gold wert — frage lokale Kurator*innen, Produzent*innen, Musiker*innen nach Empfehlungen.
- Prüfe Sprache und Kommunikation: Manche Projekte laufen auf Spanisch oder Portugiesisch, Englisch ist nicht immer ausreichend. Lokale Partner*innen schätzen es, wenn man versucht, in ihrer Sprache zu kommunizieren.
Kontaktaufnahme: Was schreibe ich?
Authentizität ist entscheidend. Ich vermeide Standardmails und schreibe lieber kurz, persönlich und konkret. Hier ein Muster in kursiver Form, das ich häufig anpasse:
Hola [Name], ich heiße [Dein Name] und arbeite als [Rolle]. Ich habe eure Arbeit bei [Verweis: Konzert/Album/Projekt] gesehen und finde besonders spannend, wie ihr [konkretes Element]. Ich plane ein Projekt zu [kurze Projektbeschreibung: Thema, Format, Zeitraum] und würde gerne wissen, ob eine Kooperation für euch interessant wäre. Ich kann [was du bietest: Honorar, Produktion, Residency, Austausch]. Hättest du Zeit für ein kurzes Zoom-/Telefongespräch? Viele Grüße, [Name]»
Wichtig: Immer einen konkreten Mehrwert nennen und mögliche nächste Schritte vorschlagen (z. B. kurzes Kennenlern-Call oder ein klarer Deadlineschritt).
Förderung und Finanzierung
Ohne Finanzierung sind viele grenzüberschreitende Projekte schwer realisierbar. Diese Quellen nutze ich regelmäßig:
- Ibermúsicas — transnationale Förderung für Musiker*innen in Iberoamerika.
- DAAD — für deutsch-lateinamerikanische Hochschul- und Künstleraustausche.
- MitOst — Netzwerkförderung für transkulturelle Projekte.
- Fundaciones wie Fundación Botín, FONCA (Mexiko), Fundación MAPFRE oder nationale Kulturministerien.
- Stiftungen und internationale Fonds — Prince Claus Fund, OAS, UNESCO-Programme.
- Crowdfunding — Lokal oder international über Plattformen wie Kickstarter, Indiegogo oder lokaler Plattformen.
Praktische Planung: Logistik, Visum, Technik
Logistische Fragen sind oft die unspektakulärsten, aber sie entscheiden über das Gelingen:
- Visabestimmungen früh prüfen — manche Länderverwaltungen brauchen Wochen oder Monate.
- Transport und Instrumente: Für Instrumente gilt: Versicherungen, Zollpapiere (ATA Carnet), lokale Leihanbieter prüfen.
- Technik: Lokale Backline vs. eigenes Equipment. Ich frage immer vorab nach vorhandener Technik und sende Rider, wenn nötig.
- Unterkunft und Proberäume: Manchmal kooperieren lokale Kulturzentren mit Homestays oder Künstler*innen-Residenzen.
Kooperationsformen, die funktionieren
- Co-Produktionen (gemeinsame Konzerte, Alben): Klare Rollenverteilung und Budgetplanung sind essenziell.
- Residencies: Zeit zum Entwickeln, Vernetzen und lokalen Community-Aufbau.
- Workshops & Vermittlung: Gute Möglichkeit, lokale Strukturen einzubinden und Nachhaltigkeit zu erzeugen.
- Digitale Collaborations: Vor allem seit Pandemiezeiten eine solide Alternative — aber persönliche Treffen sind für tiefere künstlerische Arbeit oft besser.
Typische Fallstricke — und wie man sie vermeidet
- Einseitige Erwartungen: Von Anfang an über Honorar, Rechte und Zeitaufwand offen sprechen.
- Kulturelle Missverständnisse: Informiere dich über lokale Gepflogenheiten; frag nach, statt anzunehmen.
- Ungenaue Vereinbarungen: Schreibe einfaches Memorandum of Understanding (MoU) mit Zuständigkeiten und Deadlines.
- Fehlende Nachhaltigkeit: Plane Nachfolgeformate oder Transferwissen vor Ort ein (Workshops, Dokumentation).
Beispiele aus meiner Praxis
Eine Zusammenarbeit, die mir in Erinnerung geblieben ist, begann mit einem zufälligen Treffen bei einem Festival in Bogotá: Ein Perkussionist und ich sprachen über ein gemeinsames Album, schickten uns Proben und organisierten eine zweiwöchige Residency. Wir hatten von Anfang an ein kleines Budget, einen klaren Zeitplan und vereinbarte Rechte an Aufnahmen. Die Veröffentlichung brachte lokale Radiosendungen und eine kurze Tour durch drei Städte – alles dank klarer Kommunikation und gegenseitiger Flexibilität.
Checkliste vor dem ersten Treffen
| Projektziel | klar formuliert |
| Budget | grobe Aufteilung vorhanden |
| Rechte/Verträge | Transparenz über Veröffentlichungs- und Verwertungsrechte |
| Kommunikation | Sprache und Kommunikationskanäle abgestimmt |
| Logistik | Visum, Transport, Unterkunft geprüft |
Wenn du magst, kann ich dir ein kurzes E-Mail-Template und ein Beispiel-MoU zuschicken, das ich oft anpasse. Schreib mir einfach, wofür du es brauchst — Residency, Konzertproduktion oder Workshop — dann schicke ich das passende Muster.