Als Kulturvermittlerin, die seit Jahren Projekte zwischen Europa und Westafrika begleitet, werde ich oft gefragt: Welche Förderprogramme kann ich ansprechen, wenn ich ein Musikprojekt mit Partner*innen in Westafrika plane? In diesem Beitrag liste ich die wichtigsten Fördertöpfe auf, teile praktische Tipps aus meinen Bewerfungen und Kooperationen und zeige, wie man verschiedene Finanzierungsquellen kombiniert, um transkulturelle Musikprojekte realistisch umzusetzen.
Wichtige europäische Förderprogramme
Diese Programme sind oft erste Anlaufstellen für grenzüberschreitende Kulturarbeit:
- Creative Europe – Das wichtigste EU-Programm für Kulturprojekte in Europa. Creative Europe fördert Kooperationen, Festivals, Tourneen und Capacity-Building-Projekte. Direkte Förderungen für Partner außerhalb der EU sind eingeschränkt, aber Projekte mit europäischem Koordinator und afrikanischen Partnern sind möglich, vor allem über Maßnahmen zu Audience Development, Mobilität und Netzwerken.
- Erasmus+ – Nicht nur für Hochschulen: Im Bereich Jugend und Erwachsenenbildung sind Mobilitäts- und Austauschprojekte möglich. Für künstlerische Fellowships und institutionelle Partnerschaften kann Erasmus+ eine Rolle spielen.
- Music Moves Europe – Initiative der EU-Kommission zur Stärkung der Musikwirtschaft. Meist über nationale Agenturen oder Creative-Europe-Calls implementiert; interessant für Projekte mit Fokus auf Marktentwicklung und digitale Vermarktung.
Deutsche Förderer und Institutionen
Als in Deutschland ansässige Projektmacherin habe ich häufig mit diesen Stellen gearbeitet:
- Goethe-Institut – Sehr relevant für Westafrika (Stützpunkte in Dakar, Abidjan etc.). Das Goethe-Institut fördert kulturelle Kooperationen, Residenzen, Tourneen und Kulturvermittlung. Lokale Projektförderung ist oft flexibel und praxisorientiert.
- Kulturstiftung des Bundes – Fördert internationale Kooperationen mit kulturpolitischem Anspruch. Wettbewerbsorientiert, aber interessant für große, innovative Projekte.
- Auswärtiges Amt / Kulturstiftung – Über Kulturprogramme und Kulturpartnerfinanzierung unterstützt das AA deutsch-internationale Kulturprojekte, auch in Subsahara-Afrika.
- GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) – Kein klassischer Kulturförderer, aber relevant, wenn das Projekt Entwicklungsaspekte hat (Berufsperspektiven, kreative Wirtschaft, Ausbildung).
- Musikfonds – Fördert zeitgenössische Musikprojekte; Kooperationen mit afrikanischen Partnern sind möglich, wenn künstlerische Relevanz und Innovationspotenzial gegeben sind.
Internationale und internationale Stiftungen
Diese Fonds unterstützen oft gezielt kulturelle Zusammenarbeit mit Afrika:
- Prince Claus Fund – Unterstützt kreative Initiativen in Ländern des Globalen Südens, häufig kulturpolitisch relevant und mit Fokus auf Ausdrucksformen und Kapazitätsaufbau.
- European Cultural Foundation (ECF) – Fördert kulturellen Austausch und Mobilität; Projektförderungen und Stipendien möglich.
- Pro Helvetia – Die schweizerische Kulturförderung fördert internationale Projekte, inklusive Westafrika, besonders bei Austausch, Residenzen und Tourneekooperationen.
- Africalia – Belgisch, spezialisiert auf Kulturarbeit mit Afrika; kleine und mittelgroße Kooperationen, Capacity Building und Netzwerkarbeit.
- British Council – Bis vor kurzem eine wichtige Quelle; geografische Prioritäten können sich ändern, aber es lohnt sich, lokale Büros zu prüfen (z. B. Westafrika-Programme).
Regionale und lokale Förderfonds in Westafrika
Oft unterschätzt, aber zentral: lokale Förderer und Kulturinstitutionen bieten nicht nur Geld, sondern lokale Expertise und Zugang.
- Städtische Kulturfonds (z. B. in Dakar, Abidjan)
- Private Stiftungen und NGOs, die Kulturprogramme unterstützen
- Lokale Festivals und Produzent*innen, die Co-Finanzierung oder Infrastruktur (Probenräume, Bühne) bereitstellen
Praktische Kombinationen: wie ich Projekte finanziere
In meinen Projekten hat sich folgende Mischung bewährt:
- Hauptförderung durch eine größere europäische oder nationale Stelle (z. B. Creative Europe, Goethe-Institut), ergänzt durch
- Partnerschaftsmittel oder Microgrants vor Ort (Africalia, lokale Fonds), plus
- Sponsoring / Produktpartnerschaften für Tourneen (z. B. technische Ausrüstung von Marken, Reisepartnerschaften), und
- Crowdfunding für Community-getriebene Teile (Workshops, Dokumentation), um lokale Bindung zu stärken.
Was Fördergeber am häufigsten erwarten
Aus Bewerbungen weiß ich: Geldgeber suchen nicht nur künstlerische Qualität, sondern auch klare Strukturen.
- Klare partnerschaftliche Struktur: Wer ist Lead, wer lokal verantwortlich? Letters of Support von lokalen Partnern sind Gold wert.
- Budgettransparenz: Realistische Reisekosten, Honorare für lokale Künstler*innen, Produktionskosten und einen Posten für Sanktionen/Visa/Versicherungen.
- Nachhaltigkeit: Capacity Building, langfristige Perspektive, Weitergabe von Skills (Workshops, Trainings).
- Impact & Evaluation: Wie messen Sie Erfolg? Publikumszahlen, Dokumentation, Weiterentwicklung für Beteiligte.
Tabelle: Förderer, Schwerpunkt und typische Förderhöhe
| Förderer | Schwerpunkt | Typische Förderhöhe |
|---|---|---|
| Creative Europe | Kooperationen, Festivals, Musikwirtschaft | 20.000 – 500.000 EUR (je nach Call) |
| Goethe-Institut | Kooperationen, Residenzen, Austausch in Westafrika | 5.000 – 100.000 EUR (projektabhängig) |
| Prince Claus Fund | Kulturelle Innovation in Global South | 5.000 – 50.000 EUR |
| Africalia / Pro Helvetia | Partnerschaften, Residenzen | 3.000 – 50.000 EUR |
| Musikfonds / nationale Kulturstiftungen | Kompositionsprojekte, zeitgenössische Musik | 2.000 – 40.000 EUR |
Tipps für erfolgreiche Anträge
- Baue echte Partnerschaften auf: Ein Brief von einer etablierten lokalen Organisation erhöht die Glaubwürdigkeit.
- Budgetiere fair: Honorare für Musiker*innen und Techniker*innen – auch in Westafrika ist faire Bezahlung zentral.
- Plane Puffer: Visen, Versicherungen, Transport – diese Kosten steigen oft unerwartet.
- Dokumentiere früh: Fotos, Videos, Testimonials erleichtern Folgeanträge und Reporting.
- Nutze Beratungsangebote: Creative Europe Desks, Goethe-Institut-Teams und lokale Kulturagenturen beraten häufig kostenlos bei Förderanträgen.
Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen helfen, passende Fördermittel für Ihr konkretes Vorhaben zu recherchieren oder ein Förderkonzept zu skizzieren. Schreiben Sie mir gern — ich unterstütze bei der Partnerrecherche, Budgetplanung und beim Anschreiben von Fördergebern, damit transkulturelle Musikprojekte zwischen Europa und Westafrika sichtbarer und nachhaltiger werden.