Ein interkulturelles Konzert mit kleinem Budget und großer Wirkung zu organisieren, ist für mich immer eine Frage von Kreativität, Vertrauen und klarer Kommunikation. In den letzten Jahren habe ich auf Festivals, in Gemeinschaftszentren und in kleinen Clubs Konzerte realisiert, bei denen wenige Euro und viel Herzblut reichten, um Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenzubringen. Hier teile ich meine praxiserprobten Schritte, Fehler und Tipps – direkt anwendbar und ehrlich.

Die Idee konkretisieren: Warum und für wen?

Bevor ich etwas plane, frage ich mich: Was ist das Ziel dieses Konzerts? Möchte ich Dialog fördern, ein bestimmtes Publikum erreichen oder Künstler*innen aus einer Community sichtbar machen? Wenn das Ziel klar ist, fällt die Auswahl von Ort, Format und Partnern viel leichter. Bei einem interkulturellen Projekt ist es wichtig, die Bedürfnisse der Künstler*innen und der Zielgruppe zu berücksichtigen – das vermeidet Missverständnisse später.

Location finden: günstig, passend und publikumsnah

Gute Orte müssen nicht teuer sein. Ich suche oft nach:

  • Gemeinschaftszentren oder Stadtteilhäusern
  • Kirchen, Jugendzentren oder Bibliotheken
  • Kleine Cafés, Ateliers oder Hinterhofbühnen
  • Open-Air-Orten wie Parks (mit Genehmigung)

Viele lokale Initiativen bieten Räume zu symbolischen Mieten an, besonders wenn das Konzert inklusiv oder nachbarschaftsfördernd ist. Ich stelle immer ein kurzes Konzept vor und betone den Gemeinschaftswert – das öffnet Türen.

Budgetplanung: klein, transparent und flexibel

Ein kleines Budget verlangt Priorisierung. Mir hilft ein simples Budget-Tableau, das ich transparent mit Partner*innen teile:

PositionKostenschätzung (€)
Raummiete0 – 150
Technik (PA, Mikrofone)50 – 300
Gagen (teilweise Ehrenamt)100 – 500
Promotion (Flyer, Social Ads)0 – 100
Honorare für Übersetzung / Moderation0 – 150
Unvorhergesehenes50 – 100

Ich versuche, Gagen fair zu verhandeln – auch kleine Ausgleiche, Fahrtkostenerstattungen oder Hospitality (Essen/Getränke) sind wichtig. Für Technik leihe ich häufig bei Kulturvereinen oder privaten Netzwerken aus; Plattformen wie StagePool oder lokale Musiker*innen-Foren helfen dabei.

Programmgestaltung: Vielfalt mit Rahmen

Ein interkulturelles Konzert wirkt am besten, wenn Vielfalt sichtbar und verständlich ist. Ich achte darauf, dass das Programm:

  • kurze Sets hat (20–30 Minuten), damit viele Stimmen zu Wort kommen
  • eine Moderation einplant, die Kontext gibt (kurze Einführungen in Deutsch/Englisch oder die jeweilige Sprache)
  • Formate mischt: Solo, Duos, kleine Ensembles, Workshops oder gemeinsame Jam-Sessions
  • Platz für Begegnung lässt (After-Set, Gesprächsecke)

Bei begrenztem Budget entscheide ich mich oft für lokale, talentierte Musiker*innen, die bereit sind, durch Austausch, Community-Erweiterung oder Sichtbarkeit zu kooperieren. Ein kreatives Element: Ein gemeinsamer Abschluss (z. B. ein Stück, das alle spielen oder singen) schafft Verbindung und bleibt beim Publikum hängen.

Technik & Bühne: smart und bedarfsgerecht

Ich frage im Vorfeld: Was braucht jede Band wirklich? Ein minimalistisches Setup reduziert Kosten und Aufbauzeit. Meine Regeln:

  • Shared PA: eine gute kleine PA (z. B. JBL EON-Serie) reicht oft
  • ein bis zwei Mikrofone für Gesang, DI-Box für akustische Gitarre
  • ein klares Soundcheck-Zeitfenster (nur so viel Zeit wie nötig)
  • Freundliche Technik-Volunteers oder ein lokaler Tontechniker gegen kleine Bezahlung

Wertvoll: Eine Checkliste für Künstler*innen mit Infos zu Bühnenmaße, Soundcheck-Zeit und Backstage-Möglichkeiten spart Nerven und Zeit am Veranstaltungstag.

Promotion: lokal, digital und partnerschaftlich

Ich setze auf eine Mischung aus digitalen und analogen Kanälen. Wichtiger als teure Anzeigen ist gezieltes Community- und Kooperationsmarketing:

  • Social Media: Veranstaltungsseite auf Facebook, Instagram-Posts und Stories; kurze Videos von Künstler*innen
  • Lokale Partner: Kulturvereine, Integrationszentren, Sprachcafés, Universitäten
  • Flyer & Plakate in Nachbarschaftsknotenpunkten
  • Newsletter: kurzes, persönliches Anschreiben an bestehende Kontakte

Ich bitte die Künstler*innen, die Veranstaltung aktiv zu teilen – das vergrößert die Reichweite schnell. Für bezahlte Werbung reichen oft 20–50 € gezielte Facebook-Ads in einem Radius von 10–20 km.

Inklusion und respektvolle Darstellung

Interkulturalität bedeutet Verantwortung. Ich beziehe Künstler*innen in die Kommunikation ein: Wie möchten sie vorgestellt werden? Welche kulturellen Kontexte sollen erwähnt werden? Transparenz verhindert Fetischisierung oder Stereotype. Ebenso wichtig: Barrierefreiheit (Zugang, Sitzmöglichkeiten) und informationelle Zugänglichkeit (mehrere Sprachen auf Flyern oder Webseite).

Finanzierung: Crowdfunding, Sponsoring, Ticketing

Für kleine Events kombiniere ich oft mehrere Finanzquellen:

  • Symbolische Ticketpreise (Empfehlung: Staffelticket, z. B. 5/10/15 €)
  • Kleine lokale Sponsoren (Cafés, Buchläden, Kulturstiftungen)
  • In-Kind-Support (Technikverleih, Catering als Sachleistung)
  • Mini-Crowdfunding über Patreon oder Startnext für Community-getragene Projekte

Ich liefere potenziellen Sponsor*innen ein kurzes Dossier: Konzept, Community-Impact, Sichtbarkeitspakete (Logo auf Plakat, Social-Media-Erwähnung). Oft reagieren lokale Unternehmen positiv, weil sie dadurch Sichtbarkeit in der Nachbarschaft gewinnen.

Der Tag der Veranstaltung: Timing, Hospitality, Atmosphäre

Am Veranstaltungstag konzentriere ich mich auf Atmosphäre: Begrüßung, klare Ablaufbeschilderung und ein kleines Hospitality-Board für Künstler*innen (Getränke, Snacks, Relax-Ecke). Pünktlichkeit ist wichtig – ich kommuniziere Zeiten klar. Kleine Gesten (Willkommensgruß in mehreren Sprachen, Infozettel) schaffen Vertrauen.

Nachhaltigkeit und Nachbereitung

Nach dem Konzert sammle ich Feedback von Publikum und Künstler*innen — kurz, persönlich oder über ein Online-Formular. Ich teile Fotos und kurze Clips (mit Einverständnis) und bedanke mich öffentlich bei allen Beteiligten. Diese Nachbereitung ist entscheidend, um langfristige Beziehungen zu knüpfen und zukünftige Kooperationen zu ermöglichen.

Wenn du magst, kann ich dir ein einfaches Template für ein Künstler*innen-Briefing oder ein Budget-Sheet zuschicken. Solche Tools sparen mir immer viel Zeit und sichern die Qualität – gerade bei kleinen Budgets.