Wenn ich einen Projektantrag für interkulturelle Kulturförderung schreibe, fange ich nicht mit der Budgettabelle an — ich fange mit einer Geschichte an. Mit einer klaren Idee, die erklärt, warum dieses Projekt jetzt wichtig ist und für wen. In diesem Text teile ich meine erprobten Schritte, Formulierungen und Praxis-Tipps, die mir in zahlreichen Anträgen geholfen haben, Fördermittel zu gewinnen. Das ist persönlich, pragmatisch und auf die Bedürfnisse interkultureller Vorhaben zugeschnitten.

Die Idee präzise erzählen: Warum, für wen und mit wem

Ein guter Antrag beginnt mit einem starken WHY. Ich beschreibe kurz und eindrücklich das Problem oder die Chance, die ich adressiere. Bei interkulturellen Projekten heißt das oft: Brücken bauen zwischen Communities, marginalisierten Stimmen Sichtbarkeit geben oder kulturelle Praktiken erhalten und neu interpretieren.

Ich beantworte drei zentrale Fragen direkt im Einleitungstext:

  • Warum braucht es dieses Projekt jetzt?
  • Für wen ist das Projekt gedacht – wer profitiert konkret?
  • Mit wem arbeite ich zusammen – welche Partner*innen, Communities oder Künstler*innen sind beteiligt?
  • Konkrete Namen und kurze Bios der Partner*innen erhöhen Glaubwürdigkeit. Anstatt nur "wir arbeiten mit lokalen Musiker*innen", schreibe ich: "Gemeinsam mit dem Ensemble X aus Y und der Community-Initiative Z führen wir Workshops durch, geleitet von der Musikerin A (Kurzbiografie 2–3 Sätze)." Das zeigt, dass das Projekt auf bestehenden Beziehungen basiert und nicht nur at random entsteht.

    Ziele messbar machen: Was genau wird erreicht?

    Ich formuliere Ziele SMART: spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch, terminiert. "Interkultureller Austausch" ist zu vage. Besser ist: "In sechs Monaten erreichen wir 120 Teilnehmende in 8 kostenlosen Workshops; 50% stammen aus migrantischen Communities; am Ende findet ein öffentliches Abschlusskonzert mit 150 Besucher*innen statt."

    Messbare Indikatoren könnten sein:

  • Anzahl der Teilnehmenden
  • Demografische Verteilung (Alter, Herkunft)
  • Publikumszahlen bei Veranstaltungen
  • Dokumentierte Kooperationen (z. B. unterschriebene Kooperationsvereinbarungen)
  • Mediale Reichweite (Online-Engagement, Presse)
  • Methodik und Programm: Wie der Austausch tatsächlich passiert

    Fördergeber wollen wissen, wie die Arbeit aussieht. Ich beschreibe didaktische Methoden (z. B. partizipative Workshops, gemeinsames Komponieren, Residenzen, Performances), Zeitplan und Verantwortlichkeiten. Bei interkulturellen Formaten betone ich Zugänglichkeit: barrierefreie Räume, Übersetzungsangebote, Kinderbetreuung, faire Gagen.

    Ein kurzes Wochen- oder Monatsprogramm zeigt, dass ich die Umsetzung durchdacht habe. Beispiel: "Monat 1: Recherche und Community-Dialog; Monat 2–4: Workshops; Monat 5: Proben und Produktion; Monat 6: öffentliche Präsentation und Evaluation." Das reduziert das Risiko in den Augen der Jury.

    Partizipation und Fairness: Ethik im Projekt

    Ich lege offen, wie Entscheidungen getroffen werden und wie Einnahmen/Gagen verteilt werden. Transparenz ist ein Qualitätsmerkmal. Bei interkulturellen Projekten erwähne ich immer:

  • Faire Bezahlung von Künstler*innen und Übersetzer*innen
  • Urheberrechtsregelungen und wie gemeinsame Werke geteilt werden
  • Einverständniserklärungen für Dokumentationen
  • Rollen der Community-Mitglieder (Berater*innen, Co-Produzent*innen)
  • Das zeigt Respekt und verhindert den Vorwurf von "Kultur-Paternalismus".

    Budget: realistisch, nachvollziehbar, nachvollzogen

    Ich erstelle ein detailliertes Budget und erkläre jede Position kurz. Förderstellen mögen nachvollziehbare Zahlen mehr als Raum für Spekulation. Wichtig: ich unterscheide zwischen Wunsch- und Mindestbudget — was unbedingt nötig ist und welche Ergänzungen das Projekt erweitern würden.

    PositionKosten (EUR)Kommentar
    Gagen Künstler*innen8.000faire Honorare, inkl. Proben
    Raummiete1.200inkl. Technik
    Materialien & Instrumente1.000Instrumentenpflege, Anschaffungen
    Reisekosten1.500inkl. Unterkunft
    Dokumentation & Öffentlichkeitsarbeit800Fotos, Video, Social Media
    Projektmanagement2.000Stunden für Koordination

    Ich nutze Tools wie Google Sheets oder Excel zur Kalkulation und Trello oder Asana, um Zeitpläne sichtbar zu machen. Bei großen Anträgen erstelle ich auch eine Version für die Prüfung (Kurzbudget) und eine detaillierte angehängte Datei.

    Nachhaltigkeit und Verstetigung: Was bleibt?

    Geldgeber fördern selten reine "Eintagsfliegen". Ich beschreibe, wie das Projekt langfristige Wirkung entfaltet: Weiterbildung von lokalen Facilitator*innen, Austauschformate, Lehrmaterialien, Aufbau eines Netzwerks. Wenn möglich, zeige ich Anschlussfördermöglichkeiten oder Einnahmequellen (z. B. Ticketverkäufe, Workshopgebühren, Kooperationen mit kulturellen Institutionen).

    Evaluation: Lernen und Rechenschaft

    Ich lege dar, wie das Projekt evaluiert wird: qualitative Interviews, Feedbackbögen, Teilnehmer*innen-Tagebücher, statistische Auswertung. Eine kleine Tabelle mit Indikatoren und Messmethoden reduziert Unklarheiten:

  • Indikator: Teilnehmer*innenzufriedenheit — Methode: anonymes Online-Formular
  • Indikator: neue Kooperationen — Methode: unterschriebene Absichtserklärungen
  • Indikator: mediale Resonanz — Methode: Pressespiegel und Reichweitenanalyse
  • Sichtbarkeit und Kommunikation

    Ich beschreibe meine Kommunikationsstrategie: Pressearbeit, Social Media (z. B. Instagram, Facebook), Newsletter und lokale Partner*innen. Für interkulturelle Projekte sind mehrsprachige Materialien wichtig — ich nenne Sprachen, in denen Flyer/Online-Content erscheinen sollen, und kalkuliere Übersetzungskosten ein.

    Formale Anforderungen und kleine Tricks

    Checkliste, die ich vor dem Absenden anwende:

  • Frist im Kalender dreimal überprüft
  • Formularvorgaben strikt eingehalten (Zeichenbegrenzungen, Dateiformate)
  • Lebensläufe und Referenzen als PDF anhängen
  • Budgetrechnungen und Angebote (z. B. Raum, Technik) beigefügt
  • Unterschriften der Partner*innen vorhanden
  • Ein kleiner, aber wichtiger Tipp: Ich lasse den Text von mindestens einer Person gegenlesen, die nicht im Projekt steckt. Wenn diese Person das Wesentliche in zwei Sätzen zusammenfassen kann, ist der Antrag verständlich genug.

    Welche Förderer passen zu interkulturellen Projekten?

    Je nach Größe und Ausrichtung suche ich passende Programme. Beispiele, die oft relevant sind:

  • Goethe-Institut (international)
  • European Cultural Foundation (EU-weite Programme)
  • Lokale Kulturstiftungen (z. B. Kulturstiftung des Bundes in Deutschland, regionale Stiftungen)
  • Stadt- und Bezirkskulturämter
  • Ich prüfe die Förderschwerpunkte genau: Manche Programme fördern nur internationale Austauschformate, andere legen Wert auf Integration oder partizipative Projekte. Ein Match zwischen Projektinhalt und Förderschwerpunkt erhöht die Erfolgschancen enorm.

    Abschließende Hinweise zur Sprache

    Schreibe klar, vermeide Fachjargon und romantische Allgemeinplätze. Statt "kulturelle Teilhabe stärken" lieber: "Wir erreichen 120 Menschen durch kostenlose Workshops in Stadtteil A und B." Nutze aktive Formulierungen ("Wir organisieren", nicht "Es wird organisiert") und beschreibe konkrete Aktivitäten. Bilder und Links zu Referenzprojekten ergänzen den Antrag – sie geben den Jury-Mitgliedern ein greifbares Bild.